Glück ist relativ

Täglich was zu schreiben fällt mir schwer. Nicht, weil es mir an Worten mangeln würde. Nur werde ich das Gefühl nicht los, dauernd nur mimimimi zu sagen. Was ist das nur für eine komische Sache mit dem Dauerjammern? Es ist wie eine Sucht. Hört man damit auf, und lehnt sich zurück und ist wirklich rundum glücklich, beschleicht einen immer das Gefühl, dass es nicht real sein könnte. Man sucht krampfhaft nach einem Steinchen im Schuh. Natürlich wird man es finden. Denn irgendwas ist ja immer. Also warum kann ich nicht glücklich sein?

Die Sache mit dem Glück ist ja garnicht so einfach. Wenn man eine hübsche, erfolgreiche Frau befragen würde, hätte sie bestimmt Wünsche, die mit Figur, Familie und anderem zu tun hat. Und wenn ich zu dieser Frau befragt würde, dann wünschte ich mir ihre Figur. Aber wäre ich dann glücklich? Eine schlanke Taille und wallendes Haar sind doch kein Garant für Glück. Ich war schon so. Und was soll ich sagen? Nein, ich war nicht glücklich. Ich wollte einen Mann, der mich liebt, Kinder die gehorchen, ein Haus mit weißem Gartenzaun ….usw.

Also habe ich mich mal hingesetzt, und überlegt, was Glück für mich bedeutet. Und was passieren müsste, um zufrieden zu sein. Ich kam auf eine sehr lange Liste. Was ich noch möchte, was ich erreichen möchte, womit ich jetzt unzufrieden bin. Was ich jedoch nicht aufschreiben konnte, war, was mich derzeit glücklich und zufrieden macht. Die kleinen Dinge: dass ich jeden Tag was essen kann, dass ich einen Job habe. Mein Sohn sucht trotz Pubertät immer noch meine Nähe, und möchte was mit mir unternehmen. Alles nicht selbstverständlich. Und trotzdem bin ich unzufrieden.

Anstatt mir jeden Morgen beim Aufstehen zu sagen: es ist ein wundervoller Tag. Ich lebe, habe Geld, eine super Wohnung, eine tolle Familie, sehe ich nur den trüben Morgenhimmel, ärgere mich, dass ich schon um 6 Uhr aufgewacht bin und nicht mehr schlafen kann. Also warum ist das so? Will ich vielleicht überhaupt nicht glücklich sein? Suche ich mir deshalb dauernd Dinge die mich runter ziehen, damit ich auch ja nicht zufrieden bin und ständig weiter jammern kann? Vom Glücksritter zum Unglücksritter.

Ich bin von einem toxischen Mann zum anderen gewechselt. Ziemlich schnell war das klar, dass mir die Jungs nicht gut tun. Es ging immer nur um Sex und Geld. Das habe ich meistens sehr schnell herausgefunden. Also warum bin ich geblieben? Genau! Ich wollte unglücklich sein. Ich wollte diese Beziehung, um mich selbst zu bestrafen. Aber warum? Was ist der Grund, warum Menschen sich selbst verletzen? Warum sind besonders tolle Frauen immer am gemeinsten zu sich selbst? Warum mißgönnen wir uns unser Glück?

Diese Diät ist ein neuer Versuch von mir mich wohl zu fühlen. In Wirklichkeit jedoch ist es eine neue Methode mich selbst herabzuwürdigen, mich klein zu machen und mich unwohl zu fühlen. Jedesmal wenn ich in der Küche stehe und mir Essen zubereite bin ich unglücklich. Mit der Menge, dem Geschmack, und der Auswahl. Ich könnte aber, selbst wenn ich wollte, nichts anderes essen. Denn der einzige Gedanke wenn ich wieder mal irgendwo anstoße oder stecken bleibe: „du fette Sau“. Ich mache mich selbst nieder. Ich beleidige mich selbst. Das ist eine Psychose vom feinsten. Und das ist nicht gut.

Du kannst dich nur selber lieben. Ich habe immer Menschen gesucht, die mir ein gutes Gefühl geben konnten. Weil ich mich selbst nicht ausstehen konnte, wollte ich jemand anderes dazu bringen, mich zu mögen, damit ich irgendwann mich auch mag. Aber das ist ein Trugschluss. Ich muß anfangen mich selbst zu akzeptieren. Und wenn das bedeutet, mich jeden Tag vor den Spiegel zu stellen, und zu sagen: „ich mag dich“. Denn ich bin was besonderes. Ich habe viele Talente. Auch wenn ich derzeit zu müde bin, um auch nur ein einziges auszuüben.

Ich bin nicht faul. Ich bin nur müde. Es strengt an, dauernd allen gerecht werden zu wollen. Auszusehen wie die Gesellschaft es möchte. Mit einem perfekten BMI, der so überholt ist, dass er eigentlich verboten gehört. Mit einer Haarfarbe, die meinem Alter entspricht. Was ist das eigentlich für eine Aussage? Dem Alter entsprechend. Was entspricht denn dem Alter? Ein 60jähriger Mann, der mit einer 18jährigen zusammen lebt? Von der Gesellschaft akzeptiert. Aber eine 45jährige Frau mit bunten Haaren ist nicht Altersgerecht. Peinlich werde ich häufig genannt.

Das ist mühsam. Wenn man mit sich selbst schon nicht klar kommt, dann sich diesen intoleranten Mitmenschen zu stellen ist ermüdend. Dauernd ein Argument finden zu müssen, warum man ist wie man ist, und so zu tun, als wäre man damit glücklich. Interessanterweise klappt das bei mir ganz gut. Als ich letztens meiner Chefin erzählte, dass ich den Job nicht mag war sie ganz überrascht. „Du arbeitest so viel, und machst doch gerne Überstunden. Das hätte ich nicht gedacht“. Ja, so kann man sich irren. Ich war immer ein Verfechter von Arbeit muss Spaß machen. Mittlerweile habe ich erkannt, dass kaum jemand seine Arbeit Spaß macht, sondern wir alle da hin gehen um Geld zu verdienen. Den Luxus einen Job zu haben wo beides passt, gibt es nicht.

Ich hatte mal einen Job, der mir ausgesprochen viel Spaß gemacht hat. Ich bin jeden Tag früher aufgestanden um eher da zu sein. Ich habe meine ganze Freizeit dort verbracht. Ich hatte genug Geld, alles hat gestimmt. Ich war gut in dem was ich gemacht habe. Mein Chef war zufrieden mit mir. Ich war im Einklang. Warum ich damit aufgehört habe? Nun, meine Prioritäten haben sich verschoben. Ich konnte nur eines haben: entweder Job, oder Familie. Und so geht es vielen Leuten. Besonders Frauen. Wir verzichten auf den Traumjob um mit dem Mann glücklich zu werden. Fragen uns aber immer im Hinterkopf: war es das wert?

Viele Leute berichten wie befreiend es war, alles hinter sich zu lassen. Ein Land zu verlassen, neu anzufangen, den Sprung ins Ungewisse gewagt zu haben. Keiner sagt einem, dass der Anfang schwer ist. Was man tun kann wenn man gescheitert ist. Wie schwierig es ist, alles auf eine Karte gesetzt zu haben, und mit einem geplatzten Traum und nichts neu anzufangen. Denn man hat ja schon mit nichts den Neuanfang gewagt, um das Glück zu haben. Man macht also quasi 2 Neuanfänge wenn man scheitert. Daran denken die meisten Menschen nicht, wenn sie ein Wagnis eingehen. Ich bin nicht so. Ich überlege, mache Listen, spreche mit Leuten die es ausprobiert haben. Ich sichere mich ab. Wenn alles schief geht, wohin gehe ich, wer fängt mich auf? Ich denke immer, ich habe einen Masterplan. Und dann kommt es ganz anders als erwartet.

Bin ich vom Pech verfolgt? Klebt Scheiße an meinem Schuh, oder warum will mein Leben nicht endlich ruhig und zufriedenstellend werden? Die Antwort liegt ganz tief in mir drin. Ich weiß überhaupt nicht was mich glücklich macht. Klar, wenn mich jemand fragt, kann ich ein paar Punkte nennen die ich geändert haben möchte, um dann zufrieden zu sein. Aber mal ehrlich: ich will abnehmen um schlank zu sein. War ich glücklicher als ich schlanker war? NEIN. Also warum tue ich mir den Streß an, und nehme ab? Ach ja, ich wollte wieder in meine alten Klamotten passen, damit ich mir keine neuen kaufen muß. Aber was ist so schlimm daran mir neue Klamotten zu kaufen? Ach ja, ich hasse shoppen. Nein, da ist noch was. Ich schäme mich, Kleidung zu kaufen die XXL drauf stehen haben.

Anderen Menschen gegenüber bin ich weniger kritisch. Ich mag Männer mit Waschbärbauch. Ich will nicht so ne Sportskanone mit Sixpack der dauernd im FitnessStudio trainiert. Ich mag meine Freundin, die immer irgendwo ne Schale mit Süßkram rumstehen hat. Sie ist auch nicht perfekt, und im Badeanzug sieht man ganz genau ihre Frühlingsrollen ^^ Ich finde sie sexy. Also warum bin ich so selbstkritisch? Kann es vielleicht sein, dass ich meinen Selbsthass auf andere projiziere, und deshalb mies behandelt werde? Wie ist es dann mit Egomanen? Die haben doch auch Freunde oder? Diese Leute die dauernd was auf Instagram posten und sich für großartig halten.

Meine Kollegin war so eine. Ständig Bilder von sich gepostet, ständig am flirten, aufgetakelt, geschminkt, stylisch gekleidet, unfehlbar. Sie hat sich für wunderschön, klug und großartig gehalten. Alle anderen Kollegen taten das auch. Alle haben sie geliebt. Und egal wen sie beschimpft oder beleidigt hat, das war okay und sie hatte recht. Dieses Standing hatte ich in dieser Firma nie. Sie kam wann sie wollte, ging wann sie wollte, und wenn sie mit jemandem nicht arbeiten wollte, dann brachte sie den Chef dazu denjenigen zu kündigen. Wenn ich auf Missstände in der Firma hinwies wurde ich einfach wegignoriert. Ich habe das nie verstanden. „Bleib doch mal ruhig“ würde meine Chefin jetzt sagen.

Bin ich unentspannt, weil mir etwas nicht passt, und ich es ändern möchte? ja. Aber was soll ich tun? Ich bin ein Kämpfer. Ich möchte die Welt verändern. Zu meinen Bedingungen, zu meinen Gunsten. Das wollen wir doch alle. Warum klappt es nicht? Weil ich schwach bin. Ich lasse mich zu schnell beleidigen und habe ein zu dünnes Fell. Ich erwarte quasi, dass alles was ich anpacke im Chaos endet und kaputt geht.

Diät heißt Lebensweise. Vielleicht sollte ich nicht Gewicht verlieren, sondern meine Lebensweise ändern. Auf etwas verzichten, um glücklicher zu sein. Das ist ein guter Gedanke. So starte ich dann mal ins Wochenende.

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