Ich hab keine Lust

Eigentlich sollte ich jetzt jubilieren und glücklich nackig durch den Wald hüpfen. Aber was soll ich sagen: ich bin unzufrieden, unglücklich, und verbuddle mich Zuhause. Ich bekomme den Arsch einfach nicht hoch. Jetzt hab ich endlich diesen tollen Blog, und wollte ihn mit Leben und Text füllen. Und nun fällt mir nichts mehr ein. Ich hab keine Worte mehr. Nix, einfach nur Leere!

Mag vielleicht sein, dass mein Privatleben aus den Fugen gerät. Äh, nein, eigentlich nicht. Gleicher Freund, gleiche Nachbarn, gleiches Gewichtsproblem. Daran liegt es also nicht. Oh, ich habs! Ich weiß nicht mehr, worüber ich bloggen soll. Ich wollte doch ein Thema haben. Es ist nicht so, dass ich noch keinen Blog gehabt hätte, oder keine ande-ren Blogs lesen würde. Aber mir fehlt plötzlich das Thema.

Soll ich über Lust und Frust in der Partnerschaft schreiben? Nein, ganz undenkbar. Mann hat einmal zu mir gesagt, wenn ich meine Seele auskotzen möchte, soll ich ein Tagebuch führen. In die Öffentlichkeit gehört es jedenfalls nicht. Wer will auch schon meine Sex-praktiken oder Kochrezepte lesen? Diese Art von Sozialleben hat doch jeder Zuhause. Keiner redet da drüber. Außerdem wäre das kompromittierend und ich könnte wegen übler Nachrede verklagt werden.

Wo wir schon bei Thema Nummer 2 sind. Auch über mein Berufsleben darf ich nicht schreiben. Klar, ich habe hier ein Pseudonym und niemand weiß wo ich wohne, geschweige denn wo ich arbeite. Aber laut § 5 BDSG ist es dem Arbeitnehmer verboten, während des Arbeitsverhältnisses Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse des Arbeitgebers zu offenbaren. Betriebsgeheimnisse betreffen den technischen Betriebsablauf (insbeson-dere die Herstellung bzw. das Herstellungsverfahren), Geschäftsgeheimnisse betreffen den allgemeinen Geschäftsverkehr des Unternehmens. Hab ich schon erlebt. Und ja, ich wurde verklagt (Chef hat verloren). Trotzdem bin ich ein gebranntes Kind.

Thema Nummer 3 wäre meine lebenslange Diät gewesen. Aber auch da versage ich kläglich. Schon meine Eltern setzten mich als Teenager auf strenge Zwangsdiät – darf ich das überhaupt so schreiben? Aber ich war entweder Magersüchtig oder am kotzen oder fraß alles hemmungslos in mich rein und war dick. Ein normales Verhalten zu Essen habe ich bis heute immer noch nicht. Wem will ich also was erzählen?

71 % aller Frauen machen mindestens einmal im Leben eine Diät. Rund 53% der Frauen geben an, mit ihrem Aussehen nicht zufrieden zu sein. Und dann sehe ich in der Stadt eine Dicke, die genüsslich einen riesigen Amarena-Kirsch-Becher löffelt und beneide sie. Sind dicke Frauen tatsächlich glücklicher? Und warum kann ich mich nicht damit abfin-den dick zu sein?

Fangen wir mal von vorne an: mit 14 Jahren war ich Magersüchtig. Das ging während der Pubertät erst in Kotzen, dann in Binge-Eating über. Meine Eltern waren entsetzt, sperrten sämtliche Lebensmittel weg, und ließen mich nicht mehr in die Öffentlichkeit. Aber mir war es egal wie ich aussah. Ich zog aus dem Elternhaus aus, und bekam ein Kind. Danach wog ich bei eine Größe von 1,63 m ungefähr 80kg. Laut BMI also über-gewichtig. Das störte weder meine Freunde, noch den Kerl mit dem ich das Bett teilte.

Nur so ein Fakt nebenbei: Laut einer Studie stehen 62% der Männer auf kurvige Frauen mit „etwas zum anfassen“, das heißt Speck auf den Hüften. „Bitte keinen Hungerhaken“ habe ich damals sehr oft gehört. Das ist aber über 20 Jahre her, und in dieser Zeit hat sich viel verändert. Der Körperkult geht immer mehr zu modellierten Frauen, die im Fitness-Studio täglich alles geben, um einem Barbie-Puppen-Aussehen gerecht zu werden. Was ich damals schon begriffen habe: Männer schmücken sich gerne mit solchen Püppchen, aber im Bett und zum kuscheln haben sie lieber XL.

Mein Dilemma begann, als ich durch eine persönliche Notlage bis auf knapp 50kg runterhungerte. Das war weder geplant, noch Absicht. Jedenfalls war ich plötzlich immer umgeben von Männern die was für mich bezahlen wollten, Chefs die mich einstellen wollten, und auch sonst surfte ich auf der Erfolgswelle. Bis zu Kind Nummer 2. Danach nahm ich einfach nicht mehr ab. Wieder hatte ich 80 kg auf den Rippen, aber mit 30 ist eine Diät langwieriger.

Trotzdem schaffte ich es mich zumindest auf 60kg zu retten. Die hielt ich jahrelang, bis zu meinem Vierizigsten. Nicht, dass ich mir viele Gedanken ums älter werden gemacht hätte. Ich glaubte auch den anderen Frauen nicht, als sie erzählten, dass sich ab 40 der Körper umstellt und so. Alle habe ich ausgelacht. Und heute, mit 44 Jahren wiege ich wieder 80kg und passe nicht mehr in meine Klamotten.

Wie konnte es nur so weit kommen? Ab 40 hatte ich bemerkt, dass plötzlich alles was ich so aß sich sofort auf meine Hüften setzte. Ich wog von Jahr zu Jahr mehr, und trotz Diät wurde es kaum weniger. Klar, nach 3 Monaten hungern oder Kohlsuppendiät oder ähnlichem Unsinn wog ich wieder ein paar Kilo weniger. Jedoch als ich wieder normal aß war alles sofort wieder drauf, sogar mehr als vorher. Und so stieg mein Gewicht, bis zum jetzigen Höhepunkt.

Seit 2019 bin ich also immer wieder auf Diät. Von FDH bis Intervallfasten, Essensumstellung oder Gymondo. Täglich auf der Matte vorm Bildschirm ne halbe Stunde trainieren, kaum was essen, trotzdem für die Familie kochen, und dann auch noch gute Laune verbreiten. Das habe ich nicht lange durchgehalten. Also hab ich wieder angefangen zu essen. Ach so, für die Interessierten: ich habe dieses Programm 3 Monate durchgezogen und nicht abgenommen. Kein Gramm! Sowas frustriert zusätz-lich. Man will schließlich Erfolge sehen, wenn man sich schon quält.

Am Schluss hab ich täglich auf der Waage gestanden, fast geheult, und aufgegeben. Jetzt esse ich immer was ich will, habe meine Waage versteckt, und bin halt einfach dick. Trotzdem ist das auch keine Lösung. Ich bin Biker. Jetzt ist Sommer. Das ist ein Problem, denn ich passe nicht mehr in meine Lederhose. Safety first. Motorradklamotten sind teuer. Was soll ich nur tun?

Mein Freund hat mein Dilemma mitbekommen, und uns beide im Fitness-Studio ange-meldet. Einmal waren wir schon da. Ich habe gesportelt, er geschwitzt. Leider ist er gesundheitlich angeschlagen, deshalb kann er nicht so wie er möchte. Für mich ist das gut, denn dann mache ich immer eine gute Figur während er schlapp macht. Das ist gut für mein Selbstwertgefühl – miserabel für seins. Also auch das wieder ein Teufelskreis.

ui, das ist spannend. Jetzt habe ich dann wohl doch ein Thema gefunden. Vielleicht schaffe ich es ja abzunehmen, wenn ich den neuen Job habe. Sich also auch was in meinem Leben ändert. Kein Bürojob mehr, sondern an der „Front“. Mehr laufen bedeu-tet höhere Kalorienverbrennung. Wir werden sehn. Ob ich jedoch mehr als einmal pro Woche bloggen werde weiß ich immer noch nicht. Ich werde jedenfalls meine Leser auf dem Laufenden halten…

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